..beziehungsweise, was ist überhaupt ein Kelte?
Iren und Schotten? Jeder, der eine keltische Sprache spricht, wie zB Bretonen? Anhänger einer Neo-keltischen Religion?
...und geht das überhaupt für die Hallstatt-Kultur?
Wahrscheinlich nicht. Aber über die Hallstatt-Zeitler wissen wir sprachlich, politisch und gesellschaftlich fast nichts - erst ihre Nachfahren tauchen in der Geschichtsschreibung als "Kelten" auf.
Aus Mangel an besseren Begriffen, und weil "Kelten" nun mal umgangssprachlich verstanden wird, verwenden wir's, wohl wissend, dass es eigentlich nicht stimmt.
Historisch gesehen kommt der Name aus der Antike, wo Griechische und Römische Autoren intensive Kontakte mit Stämmen, sowohl friedlich als auch kriegerisch, berichten. Diese keltischen Stämme bezeichnen wir heute als LaTene Kultur, oder einfach als "die Kelten".
Kompliziert, weil's mindestens 4 widersprüchliche Definitionen gibt:
- "Kelten" als Politischer Sammelbegriff für keltisch sprechende Regionen bzw. die dort Lebenden, konkret Irland, Schottland, Wales, Cornwall, die Kanal-Inseln sowie die Bretagne. Keltischer Schmuck, keltische Mythologie oder Götter sind typischerweise Irisch, und sind Phänomene des späten Frühmittelalters bzw. Hochmittelalters (siehe "Tierstil"). Feine Sache, aber fast 1000 Jahre (oder mehr) nach den antiken Kelten, dh. nicht vergleichbar.
Vor allem, weil der Begriff politisch belegt wurde (und wird, nicht nur in Irland).
Nicht unser Thema, wir interessieren uns für die Politik nur von 950 - 450 v.Chr, alles danach ist Science Fiction. - "Kelten" im sprachwissenschaftlichen Sinn, nämlich Sprecher einer Sprache der "keltischen Sprachgruppe" unbeachtet des Alters.
"Kelten" als Neo-pagan Naturreligion: An sich total in Ordnung, hat aber mit der (den) Religion(en) der antiken Keltischen Kulturen gar nichts zu tun, da wir über letztere fast nichts wissen. Details über das was und wie: Wicca, Kelten, Schamanen : archäologische Fakten und Fiktionen im Neuheidentum von Dr. Jutta Leskovar
Gar nicht unser Thema, und die Antwort auf die Frage was wir über die Religion(en) der Kelten wissen, ist normalerweise: praktisch nichts. - "Kelten" als populärer Sammelbegriff für die Eisenzeitlichen Kulturen Europas (und Kleinasiens), beginnend mit der ausgehenden Bronzezeit ca. 1000 v.Chr, und endend mit der Romanifizierung und Germanisierung der Spätantike. Der Begriff ist von diversen antiken Autoren, beginnend mit den Griechen, und später Römer, die die eisenzeitlichen Stämme aus dem Norden als "Keltoi" bezeichnen*.
Unser Thema hier ist Nummer 3 - die antiken Kelten und ihre Sachkultur mit Schwerpunkt Österreich.
Wer waren also die Kelten?
*Eigentlich sind "die Kelten" die Träger der LaTene Kultur - die ersten Schriftquellen, in denen die Bezeichnung vorkommt, sind griechisch und berichten von Kontakten diverser griechischer Kolonien mit lokal ansässigen Stämmen, Kontakte, die sich über die folgenden Jahrhunderte verbreitern und vertiefen (siehe Brennus und der Fall von Rom, oder die Plünderung von Delphi).
Bei den Vorfahren dieser eigentlichen Kelten fehlt uns aber eine vergleichbare Bezeichnung. Was wir wissen ist, dass es eine ethnische Kontinuität von Hallstatt zu LaTene Kultur gibt, und dass die große technologische Revolution von Bronze als dominantes Werkmaterial zu Eisen den - aus unserer Sicht - definierenden Kern der Hallstatt Zeit ausmacht. Daher verwende ich hier den Begriff "Hallstatt Kelten" bewusst, um die kognitive Schwelle niedrig zu halten, auch wenn klar ist, dass die Hallstatt Leute streng genommen keine Kelten waren (weil nicht LaTene, offensichtlich).
Die Hallstatt Zeit ist eine Zeit des technologischen Neubeginns, der sich in der Herausbildung neuer Handelsbeziehungen aus der alten, bronzezeitlichen Abhängigkeiten äußern wird.
Die enge transeuropäischen Beziehungen, die wir in den griechischen Rotweinen in den Kellern der Heuneburg, in den (matrilinearen) Verwandtschaften diverser Fürstengräber, und den offensichtlichen Ähnlichkeiten in Handwerk, Schmuck und Kriegsführung erkennen können, werden um- und ausgebaut. Neue Technologien werden erfunden, weiterentwickelt und verbessert, die neuen Produkte gehandelt.
Aus Handel folgt Reichtum. Aus Reichtum folgt zum einen, dass man ihn verteidigen - daher Fürstensitze -, und zum anderen, dass man ihn herzeigen will. Die sprichwörtliche "schene Leich" äußert sich in pompösen, teils riesigen Körperbestattungen, die wir als Hügelgräber kennen.
Reich, verhältnismäßig friedlich (soweit das heute beurteilbar ist), mit stabilen gesellschaflichen Verhältnissen.
Man darf das aber nicht mißverstehen - die Hallstattkultur war keine Kultur im Singular, es waren Kulturen (Plural), und weder eine politische, noch um eine ethnische Einheit, und schon gar nicht um etwas, das unseren Nationalstaaten ähnelt (die werden erst im 18.Jh erfunden).
Selbst viele Jahrhunderte später existiert unter den Nachfahren nur größere und kleinere Stämme (siehe G.I. Caesar) mit überschaubaren Gebieten, die von den Römern kollektiv als "Kelten" bezeichnet werden (wobei auch das unklar ist). Es macht also keinen Sinn die kulturelle Ähnlichkeit politisch, oder ethnisch zu verstehen.
Was Sinn macht, ist zu versuchen, die Hallstatt-Zeit aus sich selbst heraus zu begreifen, und die Kunstfertigkeit und das Kunstverständnis anderen näherzubringen.
Und sich selbst auch.