• Widderkopfperlen

    Handwerk, und was sich über die Beschaffung schöner Dinge erzählen lässt

  • Über Darstellungen

    Das schöne an Hallstatt Darstellungen ist, dass sie schön sind. Aber viel schöner mit Hintergrund-Info und Schummelzettel. 

  • Wissenswertes

    Es gibt so viel zu entdecken, aber leider erklärt sich manches nicht ohne trockene Theorie... also hier etwas Theorie. Aber abgespeckt.

Rashmi & Jakob in Mitterkirchen
Rashmi & Jakob in Mitterkirchen Okt 2025
Bild: Mag. Elisabeth Leitner, eigenes Werk

Hallstatt Reenactment ist spannend, weil wir - für die Periode - sehr gute direkte Darstellungen durch die sogenannten "Situlen" haben.
Nicht alle, aber viele von diesen Mischgefäßen für Wein und ähnliches, sind mit Reliefs von Szenen des Alltags verziert, und uns eine gute Grundlage für Darstellungen liefern.

Darauf aufbauend haben wir einen (stark) vereinfachten Leitfaden für eine taugliche Erst-Darstellung gemacht.

Weiberkram (das gute Zeugs)*

  • Nota:
    • Tatsächliche Fundlage > mau, dh. Stoff: ja, ganze Gewänder: nein
    • Chiton & Peplos abgeleitet von Griechischen & römischen Darstellungen
    • Machen aber Sinn, weil Fibel- und Nadellage, Gürtel
    • Darstellungen auf Situlen und Keramik abstrahiert oder zu wenig Details
    • Dh: Andere Interpretationen durchaus denkbar
      • vgl. Funde aus Norddeutschland “Schnur-Rock” (der allerdings BZ ist)
  • Grab vs. Siedlung
    • Funde zumindest teilweise extra für Grablegung hergestellt
    • Novo Mesto Necropole vs Siedlung: Identisch, aber im Grab 4x so groß
    • Gürtel von St.Georgen im Attergau 
  • Zeug aus mittl. Bronzezeit teilweise riesig
  • Empfehlenswerte Literatur: Bunte Tuche, Gleißendes Metall
  • Basisausstattung:
    • Chiton oder Peplos, wahlweise mit Unterkleid (Leinen)
    • Schulterfibeln (2): definieren die exakte Zeitstellung (Brillenfibeln für HaC am einfachsten)
    • Nadel f. Schultertuch
    • Gürtel:
      • Bronze-Zierblech, Ringe (nach Hallstatt Grab)
      • Brettchengewebte Bänder als Gürtel voll ok
      • Beutel (Gewebe)
      • kein Gürtelmesser**, keine Tasche
        • Saxe sind germanisch und viel später
        • LaTene: argumentierbar, aber nicht Ha
    • Klapperbleche
    • Halsketten: Berstein oder Glasperlen
      (Achtung - keine FrühMi/HoMi Perlen nehmen)
  • Schuhe:
    • Siehe unten

* Da spricht der pure Gürtelneid des Autors. Gibt er auch voll zu. Mädels haben klar die besseren. (Hochdorf u.ä. mal ausgenommen, aber das zählt nicht)
** Messer: schamlose Lüge, die Messer sind verbreitet (und auch am Gürtel getragen) aber sehr spezifisch - Bronze mit geschwungener Klinge und Griff aus Holz oder Geweih (nicht erhalten). Lederscheide passt sicher auch.

Darstellungs-Starter (w)


Mannsbilder 

  • Basis: 
    • Zivile Darstellung völlig ok, dh. Waffen nicht unbedingt notwendig
      Blick auf Situlen - gibt viele Varianten 
    • Schade: Kein Bart* :(
      • Ausnahme: Statue des Fürsten vom Glauberg mit getrimmtem Bart
    • Aber: immer mit Kopfbedeckung
  • Wenn Waffen: 
    • Lanzen + Schild
    • entweder Axt (Osthallstattkreis), oder Schwert (Westhallstattkreis)
    • Siehe Situla von Vace
  • “Kriegerdarstellung” a la Salzherr von Hallstatt - yo eh. gibt’s, aber nicht oft.
    • Gscheiter ein Linothorax als ein Bronzepanzer
  • Linothorax: Nota dass auf den Situlen keine griechischen Linothorakoi sind
    • Ausnahme: Fürst vom Glauberg (Statue), dort aber mit “Mickey-Mouse-Helm”
  • Gürtel:
    • Typisch: Gürtelhaken, normal rautenförmig
    • Später diverse Formen, aber keine Bleche (die die Mädels)
    • Ausnahme: Hochdorf :(
    • Weiterführende Diskussion: Gürtel von St.Georgen im Attergau - Schichtaufbau m. Leder, Bast, Leinen
      • für den Start aber egal, außerdem macht das praktisch niemand
  • Schuhe: Siehe unten

* Infame Lüge: Erstens sind Situlen sehr spät (ab 600 oder so), und sie sind aus Norditalien importiert (Este Kultur), dh. die Darstellungen können, müssen aber nichts über woanders aussagen.

Darstellungs-Starter (w)


Das Schuhthema

  • Ordentliche Hallstattzeitliche Schuhe
    • Rahmengenäht, nicht wendegenäht 
      (am Dürrnberg wurde ein Leisten aus Holz gefunden)
    • Schnabelschuhe, wissen wir von den Schuhfibeln
    • Genagelte Sohlen (wir haben die Eisennägel gefunden)
  • Problem:
    • sowas machen zu lassen ist de facto = moderner Maßschuh
    • dh. 400€ aufwärts, eher 700€
    • das ist ein bissl teuer für ein Hobby
    • Reelle Alternativen SEHR schwer zu finden
  • Bundschuh-Funde ausm Bergwerk - nicht repräsentativ für zivile Darstellung
    • für spezifische Salz-Bergmann-Darstellung natürlich ok
    • Details siehe Grömer Textilkunst an diversen Stellen
  • Daher einfache wendegenähte Schuhe als praktikabler Startpunkt
    • auch wenn eigentlich komplett falsch. Choose your poison :/