Textiles Handwerk
- Schlüsselliteratur:
Gewichtswebstuhl, Gäubodenmuseum Staubing
Bild: Jakob Marberger, eigenes Werk- Prähistorische Textilkunst in Mitteleuropa, Karina Grömer et al
- Textilien der Bronzezeit:
- Wolle, Farbstärke 1-2 mm (Relevanz von Schafzucht?)
- Gewebe eher grob
- meist einfärbig in Naturtönen, aber mit Brettchenborte
- verfilzt oder gewalkt, normalerweise Leinwandbindung (obwohls’ einzelne komplizierte Gewebe in Körperbindung gibt)
- Hallstattzeit:
- Wolle, Farbstärken bis zu 0,1 - 0,2 mm (vgl heutige Nähseide)
- häufig 20-30 Fäden/cm
- strahlende Farben in blau, gelb und rot
- Viele Musterarten, am häufigsten Karos, Streifen (v.a. Spinnrichtungsmuster)
- Komplexe Brettchengewebte Dekos, typisch direkt am Webstuhl angewebt
→ Massive Innovationen in HaA und B
Weben:
- Gewichtswebstuhl
Webgewichte und Spinnwirtel (Original)
Gäubodenmuseum Staubing
Bild: Jakob Marberger, eigenes Werk - Webgewichte = ungebrannter Ton, trapezförmig ~0.5 bis 1kg Gewicht (abhängig von Material, Länge usw.)
- Darstellungen auf Keramik und Situlen
- Ränder als Brettchenborte eingewebt
- Gewebedichte bis zu 30 Fäden/cm (~¼ der Funde)
- Bis 0.1 mm Fadenstärke
- diverse Bindungen
- S/Z Muster häufigste Dekoart, aber auch alle anderen Arten von Karo, …
- Bestickung für Hochdorf nachgewiesen!
- Färben:
- Import von Färbemittel nachgewiesen (Krapp)
- Wir wissen viel zu wenig (zb. vergorene Flechten, Pilze)
- praktisch: alle Farben machbar
(auch Schwarz: Indigo auf brauner Wolle -
Hochdorf Borte: schwarz und rot)
Stricken & Häkeln:
- Geht nicht, weil Stricken erst im 6. Jh nach Chr in Nordafrika auftaucht, und's erst im 12.Jh nach Mitteleuropa schafft
- Häkeln: ähnlich
- Praktikabler Ersatz: Nadelbinden
- nicht nachgewiesen für Ha, aber davor
- Technik anscheinend von Jungsteinzeitlichen Netz-Techniken abgeleitet, würde also Sinn machen
- Interpretationssache - Argumente dafür, wie dagegen, sind haltbar.
- Wollsocken:
- Es gibt tatsächlich einen Wollsockenfund (mit Beinlingen noch dazu), und zwar vom Rieserferner (Italien)
- Dort gewebter, dann vernähter und beidseitig nachträglich verfilzter Wollstoff
- Aber Alpin-Spezialausrüstung - die Beinlinge sind sicher nicht Standard (passen nicht zu den Situlen)
- Details: Grömer p.354 ff
Spinnen
- Handspinnen
- Normale Spinnwirtel aus Ton (teils ungebrannt)
- IT und Slo: auch Glaswirtel (neben dem normalen Ton und vermutlich Holz)
- Fadenstärke bis 0.1mm unverzwirnt
- Achtung: Stark Wollabhängig. Kann sein, dass das mit heutigen Wollarten gar nicht geht
- Warum:
- Webbares Garn muss den Zug aushalten
- Verschiedene Wollarten haben unterschiedliche Zug-Widerstände
- Dh. um webbares Garn zu bekommen, muss ich uUst verzwirnen, oder dicker spinnen.
- Nicht vergessen: Die haben vermutlich mit 3 mit dem Spinnen angefangen, und mit 30 dann diese Spitzengarne erzeugt.
Da kann heute niemand mithalten. - Dasselbe gilt für gefärbte Wolle:
- Versuche mit alten Wollrassen in Finnland (?) haben gezeigt, dass manche von diesen Wollarten bis zu 50% mehr Zugstärke haben, aber
- Wenn man die dann mit Alaun beizt (um zu färben), das die Zugstärke um bis zu 30% reduziert
- Färbungen mit daraufhin experimental fermentierten Färbemitteln aus Flechten hatten diesen Effekt nicht (dh volle Zugstärke)
- Vortrag war beim NHM Symposium "Hallstattfarben" 2012 in Wien - hab leider keine Namen oder Veröffentlichungen davon
Färben
- Alle Farben gehen (grundsätzlich)
- Bunt ist besser
- Frage war Aufwand = Preis
- Krapp und Cochenille = bekannt, aber importiert
- Waid: genauso mühsam wie später, aber man hatte offensichtlich Grund, Qualität zu maximieren
- Argument: Wenn ich Stoff mit 30 Faden/cm, SZ Karomuster und komplexen Borten herstelle, dann kommt auf den Färbeaufwand eindeutig schon nicht mehr an. Spricht eher FÜR ausgefallene Färbungen, als dagegen.
- Howto und Details: werden nachgereicht, sobald ich Leute, die sich wirklich auskennen, eingespannt hab (Fragen leite ich aber gern weiter)