• Widderkopfperlen

    Handwerk, und was sich über die Beschaffung schöner Dinge erzählen lässt

  • Über Darstellungen

    Das schöne an Hallstatt Darstellungen ist, dass sie schön sind. Aber viel schöner mit Hintergrund-Info und Schummelzettel. 

  • Wissenswertes

    Es gibt so viel zu entdecken, aber leider erklärt sich manches nicht ohne trockene Theorie... also hier etwas Theorie. Aber abgespeckt.

Übers Kochen

  • Keine Metalltöpfe oder -kessel, nur Ton
  •  Problem: Kochen in Tontöpfen - muss immer ¾ mit Wasser gefüllt sein, sonst sprengt der Dampf in den Poren das Gefäß
  • → Eintöpfe (bis in die Römerzeit), Ritschert zB
  • Flacher "Herd" mit zentralem Kohlehaufen (keine Flammen am Tontopf!)
    • Kochgefäße stehen in Glut, Temperaturkontrolle durch rein- und rausschieben
    • → geht super
    • Vorsicht: Keine Flammen am Tontopf, Spannungsbrüche (getestet - klappt super)
    • Aufhängen über Feuer → nur für Metallgefäße → nope
  • Feuergruben uä: kontraproduktiv, da fallen nur die Töpfe um


Praktisches Problem für's Reenactment: 

  • Kochtöpfe / Gebrauchskeramik - praktisch unmöglich zu bekommen 
  • Erhältliche Mittelalterkeramik (Pingsdorfer Keramik, oder Grappen aus dem 13.Jh) passt von der Formensprache gar nicht (QED)

Was Kochen?

  • Ok sind:
    Klimatafel
    Klimatafel in einem der Museen, vergessen welches :( 
    Bild: Jakob Marberger, eigenes Werk
    • Alle Arten von Fleisch (Schwein, Rind, Hund*, wenig Geflügel), meistens geselcht
    • Fisch (? - Fundlage nicht im Kopf, aber naheliegend. Mglw “Armeleut-essen” → nicht ins Grab)
    • Rollgerste, Hirse, Emmer (bis HaB), Einkorn, Saubohnen, Linsen, Erbsen
    • Kraut & Rüben, Schwammerl, Lauch, Wirsing, Knoblauch, Zwiebeln. afaik keine (orangen) Karotten
    • div Kräuter: Liebstöckel, Petersilie, Bärauch
    • Imporierte Gewürze (Kümmel - Fund im Salzbergwerk)
    • Schärfen: Kren
  • Keine Metallpfannen → kein “Anbraten” möglich
  • Backen: Lehm-Backöfen seit Steinzeit
    • Käse, Topfen, Joghurt: Ja       
    • Haselnüsse, Honig: auch       
    • Achtung Klimakarte (siehe oben) - Hirse und Gerste → kein Brot möglich. Emmer geht aber [bis HaB]
    • Dh. Bronzezeit (bis inkl HaB) Brot & Kuchen (und Knödel) ok, danach nicht mehr
  • Bier: oh yeah. Nachgewiesen HaC in Holzbottichen (Trinkbarkeit… gute Frage)
  • Met: Yup, Fürstengrab von Hochdorf
  • Wein: Importware ja, und offensichtlich überall wo’s Situlen gibt (im Süden auch Anbau denkbar, aber kein Nachweis [den ich kenn])**

*Bis zum Eintreffen der Römer, dann keine Hunde mehr im Kochtopf
** Eigene Experimente mit Met haben ergeben, dass ohne Schwefelung (um die Gärung zu stoppen) auch Met durchaus weinartig werden kann - und dann besser verdünnt getrunken werden sollte. Kommt natürlich auf den jeweiligen Met an. Reine Vermutung. Mehr Experimente notwendig.


Kochen Sidenote: Was geht nicht

  • Wohlbekannt, aber nochmal zur Sicherheit
    • Nicht verwendbar sind Sachen aus der neuen Welt, wie
      •  Erdäpfel / Kartoffel inkl Topinamburen
      • Tomaten
      • Kürbisse aller Art
      • Pfeffer
      • Äpfel, Birnen, Zwetschgen (kommen erst mit den Römern), Orangen, Zitronen
      • Walnüsse, Mandeln
    • Verwendbar:
      • div. Rüben (keine gelben Karotten, die sind eine neuzeitliche Züchtung)
      • Mangold u.ä.
      • Kümmel, Thymian, Rosmarin, …
      • Haselnüsse
    • Unklar aber argumentierbar
      • div Arten von Kohl, zB Wirsing
      • Kohlrabi

    • Liste ist nicht abgeschlossen.
    • Hinweis: Kinder “falsche” Nahrungsmittel raten lassen = gute Unterhaltung

Herd und Feuerstelle 

  • Das hier reflektiert meinen (bescheidenen) Stand des Wissens - bitte um Korrektur!
  • Betrifft nicht: Öfen zum Heizen
  • Für Details bitte Blick auf die Grundrisse der div. Häuserfunde
  • Kochstellen: zentral im Raum, ca 1x1.5m, vielleicht 20 oder 30cm hoch (oder weniger) 
    • eben, keine oder nur flache Vertiefung 
    • skaliert etwas mit Hausgröße
  • Wie kocht man da?
    • am entfernten Ende macht man Feuer, nicht um direkt damit zu kochen, sondern um Kohle zu erzeugen
    • Die Kohle schiebt man in die Mitte des Herdes (Haufen, Form nicht so wichtig, hauptsache keine Flammen mehr)
    • Die Töpfe stellt man auf die "kalte" Seite des Herdes. Um zu kochen, schiebt man die an die Kohle, oder stellt den Topf mitten rein
    • Wie schon erwähnt: 3/4 voll Flüssigkeit, damit keine Temperaturdifferenzen oder Dampfbrüche entstehen können
    • Herdgröße macht damit Sinn:
      • groß genug, dass keine Kohle aus Versehen runterfällt und das Haus abbrennt
      • groß genug, dass niemand aus Versehen einen Topf umrempelt
  • Wasser:
    • Es gibt Doppelbauchige "Flaschen" mit Ösen, die offensichtlich zum Aufhängen gedacht waren
    • Annahme: Hängen über oder in der Nähe des Herdes, aber außer Reichweite der Flammen.
    • Sicher nicht direkt zum Wasserkochen, da die Seile selbst von der Kohle angekokelt würden (dass eine Hausherrin zuließe, dass die Wasserkeramik zu Bruch geht, weil jemand nicht aufpasst, ist für mich für keine Zeitstellung denkbar)
  • Es gibt Feuerböcke aus Ton und Eisen, aber nicht viele (soweit ich weiß)
    • Vermutung: Unterlage für große Kochgefäße, die gefüllt zu schwer zum sicheren Hantieren waren
    • so große Gefäße hab' ich gesehen, waren aber als Vorratskrüge ausgezeichnet, ob die Vermutung also stimmt sei dahingestellt*
  • Offene Fragen (für mich):
    • Kochtopf-Formen vermutlich eminent praktisch, dh. man sollte testen, welche Gefäße sich besser oder schlechter für was eignen
    • Deckel? Etwas Pietätlos, aber mglw ähnlich zu den Schalen auf Graburnen
      • Für Gefäße mit schlankem Hals mglw. gar nicht notwendig
      • Hydrodynamik im Gefäß beim Kochen vermutlich spannend 
        Beim Kochen in Kesseln direkt im Feuer entwickelt sich meinen Beobachtungen nach eine Umwälz-Strömung** - es rührt sich selbst um, daher muss kein Kochlöffel von oben in das Gefäß
        Wenn das mit Tontöpfen ähnlich klappt, hätte das Auswirkungen auf dir notwendige Gefäßöffnung - die könnte kleiner sein.
        ** Die Strömung entsteht, weil der Kessel nur mit einer Seite in der Kohle steht, dh. die entfernte Seite ist kühler

*Zur Erinnerung: Bin Reenactor, kein Archäologe