Etwas Kontext: Bronzezeit
- Ab mittlerer BZ:
- Bronze ist ausgereifte Technologie, Produkte sehr hochqualitativ
- Bronze ist korrosionsbeständig
- Einfach mit 2 Leuten und 2kg Holzkohle herzustellen*
- Kupfer in Europa häufig
- Zinn: Problem
- Ursprünglich Arsen- oder Bleibronze**, später Zinn (nach Verfügbarkeit)
- Problem Fundlage: reines Zinn zerfällt zu Staub wenn unter -13°C
- Zinn mit Pb > 0.5% bleibt stabil
- Zinnherkunft NICHT nachgewiesen (siehe Uluburun Schiffsfund)
- Handelsnetz (va. Bernstein) zeigen Anschluss an Mediterranen Handel
- Mögliche Zinnquellen:
- Cornwall
- Spanien
- Tadjikistan, Taurusgebirge (Turkije/Syrien) - vgl. Schiff v. Uluburun
- Hinweis: Nach 1177 sinkt Bronzequalität, Eisen nimmt zu
*Ich hab infame Lügen versprochen? Das hier ist eine. Die Aussage stimmt für den Bronzeguss selber, erwähnt aber nicht den Berg an Vorbereitung - Formen machen vor allem
**Bleibronze: UK. Arsenbronze: AT; Offensichtlich ist aber viel experimentiert worden. Achtung: damals keine Chemie, dh. es war mit Sicherheit “des Mineral von dort, gemischt mit dem Zeug von da”, und das was besser gegangen ist wurde verwendet.
Nachdems methodisch sicher auch unterschiedlich war (Guß schlecht weil zum falschen Gott gebetet) sicher nicht rein metallurgisch beeinflusst
Aber: Warum kein Eisen
- Eisen während BZ bekannt und verfügbar
- Aber nicht verwendet
- Kontext: Ökonomie der Eisenerzeugung schlecht in kleinem Maßstab (Unmengen Holz)
- Hoher initialer Holz(kohle) bedarf, erst bei großen Mengen effizient
- Bronzeverarbeitungstechniken gehen schlecht (Guß + nachher kalt schmieden)
- Headkanon: Eine Ausnahme - Sensen.
- Erste Eisenschwerter waren gegossen und dann geschmiedet - suboptimales Ergebnis + rostet, was Bronze nicht tut. (Faulheit siegt)
- Qualitativ einfach minderwertig (für einen Bronzezeitler)
- Mit HaB nimmt Eisenverarbeitung zu, begleitet von massiven technischen Verbesserungen
- Ab HaC (Eisenzeit) tatsächlich gute Ergebnisse, dh. Technik passt jetzt (dh. Schmiedetechnik)
- Kombinationen Eisen-Bronze kommen durchaus vor (zB Übergießen von Eisenklingen, bspw. Wolfskopf-Axt)
Übergangszeiten und ihr Charme
(leider vergessen welches)
Bild: Jakob Marberger, eigenes Werk
- Immer interessant drüber zu lesen
- Gar nicht lustig, wenn man mitten drin steht und
- Etablierte Lösungen plötzlich einfach nicht mehr funktionieren
- Existenzbedingende Ressourcen plötzlich ausbleiben
- Erwartungshaltungen des sozialen Umfelds mit Ergebnissen rechnend
- Wenns regnet, dann schüttet's
- Kontext der Übergangszeit
- Klima ändert sich Ende der Urnenfelderkultur (siehe rechts)
- Emmer verschwindet aus der Fundlage
- Beobachtung: Anbaugewohnheiten ändern sich langsam, unfreiwillig, und begleitet von Hungersnöten
- Vergleich zu:
- Bronze Age Collapse 1177 (Youtube Link: 1177 BC: The Year Civilization Collapsed (Eric Cline, PhD), Kanal National Capital Area Sceptics)
- Nicht allzulange später fangen Bronze Depotfunde mit abnehmender Bronzequalität in Mitteleropa an
- Kausaler Zusammenhang? Unmöglich zu wissen, würde aber Sinn machen
- Szenario Handelsnetzwerk
- vgl. Covid Lieferungsengpässe: Produkte verschwinden nicht, sie kommen später und werden teurer
- Druck, Ergebnisse = Erzeugnisse zu liefern steigt, auch wenn Rohmaterial nicht verfügbar
- Führt zu Experimenten
- Das Handelnetzwerk reagiert als Ganzes, Änderungen von einer Produktverfügbarkeit hat idR Auswirkungen auf technisch unabhängige Produkte
- vgl Auslöser für den Opium-Krieg (UK Währungskrise aufgrund des Teehandels)
- Ein Handelsnetzwerk mit mehreren Lieferanten (in diesem Fall Zinn) kann signifikaten Anpassungsdrücken ausgesetzt sein, wenn nur ein Teil der Lieferanten ausfallen
- Insbesondere wenn Substitutions*-Technologien auftauchen (zB Eisen)
- Klima ändert sich Ende der Urnenfelderkultur (siehe rechts)
- Annahme:
- Postulat: Wechsel von Bronze zu Eisen ist:
- Nicht nur technologisch
- sondern Industriell, da die Zubringerindustrien** unterschiedlich sind
- Technologie austauschen ist leicht, wirtschaftliche Infrastruktur aufbauen ist schwierig, teuer, und dauert lange
- vor allem wenn unter wirtschaftlichem Druck schwierig
- Postulat:
- Bronzetechnologie und Infrastruktur war um 1200 ausdifferenziert und effizient
- Herausforderungen von Guss und Formenbau waren gelöst
- Sowohl technologisch als auch von der Infrastrukturseite
- Beispiel: Steinformen für Rasiermesser - welcher Stein? wie genau Gießen? Komplexe Fragen, die lang zur Lösung brauchen
- Dann nachhaltige Lieferanten entwickeln (Produktion UND Logistik)
- Schluß:
- Druck zum Wechsel muss erheblich gewesen sein, sonst systemische Trägheit zu hoch
- Depotfunde von Bruchbronze3 machen keinen Sinn wenn genug Zinn verfügbar ist
- Postulat: Wechsel von Bronze zu Eisen ist:
Fazit: Äußerst komplexe Fragen auf dünner Faktenlage. Aber sehr spannend.
* Substitution = Ersatz, nur in Angeber-Sprache
** Gemeint sind die Produktionsnetzwerke, die für die Unterstützung der Produktion notwendig sind, zB Nahrungsmittel, Wohnungsbau, usw
3: Bronze kann, anders als Eisen, nicht einfach wieder eingeschmolzen werden, da das Zinn ausdampft, und die neue Bronze brüchiger wird. Warum genau? Metallurgische Frage, kein Ahnung (leider)